Beautiful Mind

ausstellung schmuck berlin cranach

Vom 20. Mai bis 28. August präsentiert das Kunstgewerbemuseum in der Ausstellung Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach eine Auseinandersetzung junger Positionen zeitgenössischer Schmuckkunst mit Kreationen der Cranach-Zeit.

Anlässlich des 500. Geburtstages von Lucas Cranach dem Jüngeren (1515-1586) lobte die Kunststiftung des Landes Sachsen-Anhalt im Mai 2014 einen nationalen Wettbewerb aus. Gefragt waren zeitgenössische künstlerische Interpretationen von Schmuck, den Cranach, seine Frauen, Söhne und Töchter und die von ihm porträtierten Zeitgenossen getragen haben. Am Wettbewerb beteiligten sich 146 Künstlerinnen und Künstler aus allen Bundesländern. Die 51 für die Ausstellung ausgewählten Werke bieten ein breites Spektrum zeitgenössischer künstlerischer Arbeiten aus ganz Deutschland.

Aus der großen Zahl preiswürdiger Einsendungen bestimmte die Jury drei Preisträgerarbeiten. Sie zeichnete Bettina Dittlmann aus Breitenbach mit dem ersten Preis aus. Mit der zum Wettbewerb eingereichten großen Brosche aus Eisen, mit Granatsplittern besetzt und sparsam emailliert, übersetzte die Künstlerin auf besonders eindrückliche Weise die materielle und visuelle Kostbarkeit von Renaissanceschmuck in eine zeitgemäße künstlerische Formensprache. Der zweite Preis ging an Beate Eismann aus Halle. Die Künstlerin ließ sich von vier gemalten weibliche Halbfiguren Cranachs anregen und gab ihnen eine dreidimensionale Form indem sie sie mittels Rapid-Prototyping in rotierende Halbportraits umwandelte. Den dritten Preis sprach die Jury Svenja John aus Berlin zu. Mit höchster Präzision und auf scheinbar spielerische Weise fertigte die Künstlerin aus günstigem Kunststoff wertvolle Schmuckstücke und nahm damit zwei Grundthemen des Renaissanceschmucks auf: Prächtigkeit und Repräsentation.

In der Ausstellung „Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach“ können sich die Besucher mit Divergenzen und Konvergenzen im Schmucktragen und Schmuckmachen der Renaissance wie der Gegenwart auseinandersetzen. Die präsentierten Schmuckstücke zeigen, dass es für die Künstler ein anregender Gedanke war, das Grundthema des Schmucktragens zwischen Selbstdarstellung und sozialer Disktinktion in der Renaissance zeitgenössisch zu interpretieren.

„Beautiful Mind. Ein Schmuckstück für Cranach“ wird im Kunstgewerbemuseum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den großartigen Goldschmiedearbeiten der Renaissance gezeigt, den prachtvollen Ketten und Schmuckstücken des späten 16. und frühen 17. Jahrhunderts, der Weltallschale für Kaiser Rudolf II. und den Prunkgefäßen des Lüneburger Ratssilber. Es bietet sich so die Möglichkeit der vergleichenden Betrachtung zwischen der Goldschmiedekunst der Cranach-Zeit und der zeitgenössischer Schmuckgestaltung.

Gleichzeitig greift die Ausstellung ein Thema auf, das auch am Kunstgewerbemuseum eine lange Tradition hat. Seit den 1980er Jahren hat das Haus immer wieder Ausstellungen zu modernem Schmuck realisiert und beispielhafte Werke zeitgenössischer Schmuckkunst erworben. Dazu gehören auch Werke von Claudia Baugut, Georg Dobler, Dorothea Prühl und Thomas Schleede, deren Kreationen ebenfalls in der Ausstellung vertreten sind.

Begleitend zur Ausstellung findet während der gesamten Laufzeit ein umfangreiches Rahmenprogramm statt (weitere Veranstaltungen sind in Planung):

Freitag, 20. Mai 2016, 18 Uhr
Vom Blaustrumpf bis zum Chanel-Kostüm, vom Mantel des Propheten zur Schuluniform
Lesung und Diskussion mit den Herausgebern Christine Kutschbach und Falko Schmieder sowie den Autoren Mona Körte und Zaal Andrnikashvili des Buches „Von Kopf bis Fuß. Bausteine zu einer Kulturgeschichte der Kleidung“.

Donnerstag, 9. Juni 2016, 18 Uhr
Berliner Schmuckkünstler und ihre Werke in der Ausstellung
Werkstatt-Gespräch mit Antje Bräuer, Svenja John, Inga Knölke und André Ribeiro.

Donnerstag, 7. Juli 2016, 16.30 Uhr
Kuratorenführung in der Ausstellung
mit Christine Waidenschlager

Ort:
Kulturforum
Kunstgewerbemuseum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin-Tiergarten

Öffnungszeiten:
Di – Fr 10 – 18 Uhr, Sa und So 11 – 18 Uhr

Bild:
Kerstin Mayer
Halsschmuck Perlenreif
Gold, Süßwasserperlen, 2005
Foto: René Arnold