Couture Remixed

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Noch bis zum 1. März 2009 zeigt das Berliner Kunstgewerbemuseum in der Ausstellung Couture Remixed Modeobjekte des in Berlin und Paris lebenden Künstlers Stephan Hann.

Nicht nur die kreative Umsetzung und die Kombination der Materialien verleiht den Modeobjekten Stephan Hanns ihre Faszination, sondern auch die große handwerkliche Perfektion mit der er seine Modelle fertigt. In mühevoller Detailarbeit wird Papier zu feinstem Plissée gefaltet, Fotopapier zu Tausenden von Schlaufen gelegt, werden Zelluloidstreifen gerollt und Rosenblätter aufgenäht. Hierbei überschreitet Hann die Grenzen üblicher „Nähtechnik“ und bedient sich eines „cross-overs“ unterschiedlichster Techniken. Doch sieht man den Endprodukten ihre komplizierte Entstehung nie an, es bleibt der Eindruck müheloser Leichtigkeit.

In der Ausstellung sind Arbeiten aller wichtigen Themen und Serien zu sehen, so zum Beispiel die pfauenbunten Arbeiten für die Firma Lexmark oder die plissierten Modelle aus den Plänen des Architekturmuseums Rotterdam. Daneben stehen aktuelle Arbeiten aus Taschentüchern der 50er und 60er Jahre und aus silbernem Alupapier.

Stephan Hann erkennt die den Dingen innewohnende Poesie und transformiert sie in neue eigenständige Werke. Bei dieser Transformation des ursprünglichen Materialwerts geht es ihm insbesondere um einen Beitrag zur Wahrung unseres kulturellen Gedächtnisses und um den Erhalt von Grundsubstanz an sich. In dieser konsequenten Auseinandersetzung mit alltäglichen Materialien und deren Wiederverwertung entwickelte Stephan Hann den ihm eigenen Stil: eine Pop-Art der Bekleidung, die auch das Interesse der „Produzenten“ dieser Materialien weckte. Für den Champagnerfabrikanten Moët & Chandon, für die Firma Lexmark oder für den Hersteller von Getränkeverpackungen Tetra Pak entwickelte er eine Modellkollektion, die die Produkte der Firmen in einen neuen Kontext stellen und mit der unerwarteten Interpretation den Blick auf sie schärfen.

Hann begann als Herrenmaßschneider an der Deutschen Oper Berlin. Es folgte ein Mode- und Kostümbildstudium an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee. Danach praktizierte er in den Kostümwerkstätten des Deutschen Theaters und des Berliner Ensembles. Im Rahmen eines Praktikums in der Textilrestaurierungswerkstatt des Kunstgewerbemuseums beschäftigte er sich mit historischen Kleidern. Nach seiner Ausbildung zog es Hann nach Paris, in die Hauptstadt der Mode. Seit 2003 arbeitet er dort regelmäßig für das Haus Daniel Swarovski in Paris. Seine Spezialität sind exklusive, strassbesetzte Accessoires: Taschen, Beutel, Kopfbedeckungen und Schmuck. Im Jahr 2004 entwarf er für LouLou de la Falaise, der langjährigen Assistentin von Yves Saint Laurent, anlässlich der Eröffnung ihres eigenen Salons, eine Modellkleidserie aus Schnüren. Den Prototyp hierfür hat in diesem Frühjahr das Kunstgewerbemuseum Berlin erworben.