Das Bauhaus am Kiosk

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Zwischen 1929 und 1943 erschien die neue linie im Leipziger Beyer-Verlag als die herausragende Lifestyle-Illustrierte ihrer Zeit. Vom 21. Februar bis 16. April zeigt das Bauhaus Archiv Berlin jetzt die Ausstellung die neue linie. Das Bauhaus am Kiosk.

Keine andere Zeitschrift setzte in ihrer Gestaltung die Ideen der typografischen Moderne so konsequent um. Führende Grafik-Designer aus dem Bauhaus wie László Moholy-Nagy und Herbert Bayer prägten das Erscheinungsbild der Illustrierten.

Neue Typografie, klare Formen, schnörkellose Schrift, dynamische Diagonalen und dramatische Fotomontagen sorgten für ein auffallendes Erscheinungsbild. Inhaltlich setzte die neue linie auf ein anspruchsvolles Niveau. Literarische Gastautoren wie Aldous Huxley, Gottfried Benn oder Thomas Mann lieferten Beiträge. Der Modeteil – höchstens ein Viertel des Umfangs – bildete raffinierte Entwürfe ab, die die elegante Damenwelt der Weimarer Republik ansprach.

Große Gewichtung hatte alles was mit “Schöner Leben” zusammenhing. Das macht die neue linie zu einem Vorläufer heutiger Lifestyle-Magazine. Aktuelle architektonische Trends stellte unter anderem Walter Gropius vor. Als vorbildliches Design werden Stahlrohrmöbel von Marcel Breuer oder die “Frankfurter Küche” präsentiert. Die Werbeseiten, gestaltet von Ex-Bauhäuslern wie Herbert Bayer, Kurt Kranz oder den Brüdern Neuner, wandten sich an ein zahlungskräftiges Publikum und die intellektuelle Oberschicht. 40.000 Auflage und der Preis von 1 RM bestätigen dies.

Dass die modern aufgemachte Zeitschrift in den nationalsozialistischen Jahren und während der Kriegszeit von Repressalien weitgehend verschont blieb, ist darauf zurückzuführen, dass die neue linie als schöngeistiges Alibi einer weitgehend gleichgeschalteten Nazipresse diente. Die Grenzen journalistischer Freiheit waren eng, zu keiner Zeit gab es regimekritische Beiträge, aber möglich war dennoch der völlige Verzicht auf antisemitische Hetzpropaganda. Mit Kriegsbeginn dominierten militärische Abbildungen die Titelseiten, deutsche Klassik und alte Meister hielten Einzug in die Hefte.

Ausstellung und Katalog, die das wechselhafte Schicksal der Illustrierten beleuchten, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt.

Die Eröffnung findet am Dienstag, dem 20. Februar 2007 um 19 Uhr im Bauhaus-Archiv, Museum für Gestaltung, Klingelhöferstraße 14, Berlin-Tiergarten statt.

Öffnungszeiten: täglich, außer dienstags, 10 – 17 Uhr