DDR-Design – zu Recht vergessen?

ddr gestaltung

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge fragt sich in Kooperation mit der Stiftung Industrie- und Alltagskultur am 15. März, ob das DDR-Design zu Recht vergessen werden soll bzw. vergessen wird.

Design aus der ehemaligen DDR ist heute weitgehend unsichtbar. Vor 1990 war es im Osten kaum erhältlich und im Westen kaum bekannt. Nach der Wiedervereinigung wurde es staunend entdeckt. Heute, mehr als 20 Jahre später, findet es sich zwar in Museumssammlungen, die sich der Gestaltung widmen. Im Kanon der deutschen Designgeschichte kommen Dinge aus der DDR aber praktisch nicht vor. Gehören “Penti, Erika und Bebo Sher” zum Kanon der Gestaltung im Deutschland des 20. Jahrhunderts? Hat Ostdeutsches einen Platz in einem nationalen deutschen Design-Museum, wie es gerade (siehe Rat für Formgebung) diskutiert wird? Oder einfach nur: ab ins Depot?

Die Veranstalter haben sich für den Abend so viele Fragen mehr vorgenommen, dass eine umfassende Beantwortung kaum gelingen wird:

Was hat Design aus der DDR der Öffentlichkeit heute zu sagen? Wie bewerten Designer, Museumsleute, Sammler und Wissenschaftler heute ostdeutsche Gestaltungsqualitäten? War es “typisch deutsch”: kann man daran Prinzipien etwa der Werkbundbewegung oder Bauhaus-Ideale ablesen? War es innovativ: hat es der internationalen Designentwicklung Impulse gegeben? Wie stark haben sich ostdeutsche Designer an internationalen, westlichen Trends orientiert? Was wurde einfach nur nachgeahmt, was wurde besser gemacht? Haben westdeutsche Designer und Hersteller von Entwürfen aus der DDR profitiert? Können wir heute DDR-Design überhaupt schon richtig bewerten? Und gibt es DDR-(Staats)Design oder nicht vielmehr Design aus der DDR? Ist Ost-Design einfach nur ein Symbol für Improvisation, Stagnation, Mangelwirtschaft? Was sagen ältere und jüngere ostdeutsche Designer über ihre Ausbildung und Herkunft? Was hat sie in den 70er und 80er Jahren geprägt? Was braucht es, um die überlieferten Designobjekte “zum Sprechen zu bringen”? Welche Voraussetzungen für das Ausstellen muss die Forschung schaffen? Was bedeutet es für Forschung und Öffentlichkeit, wenn die renommierte “Sammlung Industrielle Gestaltung” auf unabsehbare Zeit unzugänglich im Depot bleibt?

Gesprächsteilnehmer:
Clauss Dietel, Gestalter, Chemnitz
Albrecht Ecke, Büro Ecke-Design, Werkbund Berlin
Siegfried Gronert, Gesellschaft für Designgeschichte
Andreas Ludwig, Dokumentationszentrum DDR-Alltagskultur Eisenhüttenstadt
Günter Höhne, Sammler und Publizist, Berlin
Dietmar Preißler, Sammlungsdirektor Haus der Geschichte, Bonn
Walter Scheiffele, Designhistoriker, Kunsthochschule Weißensee Berlin und Stiftung Industrie- und Alltagskultur

Moderation:
Renate Flagmeier (Museum der Dinge) und Cornelia Hentschel (Stiftung Industrie und Alltagskultur, Berlin)

Ort:
Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstr. 25
10999 Berlin

Zeit:
15. März 2012, Donnerstag, um 19 Uhr

Bild: Cover des Buches DDR Design von Günther Höhne, erschienen im Komet Verlag.