Detlev Schöttker: das Einfache

die gute form design berlin

In der Vortragsreihe der Werkbund Galerie zum Jahresthema “Die Gute Form” spricht Detlev Schöttker am 24. April 2014 um 19 Uhr über das Einfache und seine Geschichte.

Im Streit um das Schöne und die gute Form gibt es seit dem 18. Jahrhundert ein Kriterium, das als Begründung immer wieder genannt wird, nämlich Einfachheit. Von Winkelmanns „edler Einfalt“ über Einsteins Sentenz „So einfach wie möglich, nur nicht einfacher“ bis hin zu Vittorio Magnago Lampugnanis Versuch der
1990er Jahre, eine Neue Einfachheit in Architektur und Städtebau zu formulieren, ziehen sich die facettenreichen und vielfältigen Spuren des Einfachen. Der Vortrag blättert Herkunft, Rätsel und aktuellen Status dieser permanenten Idee des Schönen auf.

Prof. Dr. Detlev Schöttker
studierte Germanistik und Politikwissenschaft in Braunschweig und Kiel, lehrte in Stuttgart, Kassel, Dresden und Bielefeld und ist zu rzeit UNESCO-Gastprofessor an der Universität Wien. Neben Büchern und Editionen zu Bertolt Brecht, Walter Benjamin und Ernst Jünger befasst er sich unter anderem mit der Verarbeitung der Architektur in Ästhetik und Literatur.

Die gute Form

Devise, Motto und Aufforderung zur Guten Form wurden vom Deutschen Werkbund zwar erst nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert. Max Bill und Otl Aicher riefen den Begriff 1957 von der Ulmer Hochschule für Gestaltung zur vorbildlichen Aufgabe des Deutschen Designs aus; bis 2001 zierte er als Ehrentitel den bundesdeutschen Designpreis. Dennoch hat man den Ei ndruck, dass die Gute Form in allen Lebenslagen schon seit den Gründungstagen des Werkbunds (1907) sein eigentliches Ziel und gleichsam die Kristallisation all seiner Ideale sei.

Die Geschichte und Theorie der Guten Form sind (noch) nicht geschrieben. Doch wirkt eine orientierende Verpflichtung zur Guten Form angesichts der heute unübersehbar und unüberschaubar pluralisierten Entwurfswelt in Design und Architektur vager und diffuser denn je; vermessen der Anspruch, eine gesellschaftliche Verbindlichkeit für sie erstellen zu wollen. Dennoch sind Wunsch und Bedürfnis nach ihr keineswegs aus der Welt, im Gegenteil, angesichts eben jener lauten Vielfältigkeit der Formen und Gestaltungsambitionen in unserer Umwelt scheint die Sehnsucht nach der kriteriengeleiteten Konvention, also nach der Guten Form, stärker zu sein als in den Jahren einer selbstgewissen Vorwärts- und Wachstumsentwicklung unserer Gesellschaft in den letzten Dekaden.

Die von Gerwin Zohlen konzipierte Vortragsreihe zum Jahresthema des Berliner Werkbunds will weder die Theorie noch die Geschichte der Guten Form abhandeln, sondern mit thematischen Einzelbelichtungen Schneisen in das nebulöse Terrain schlagen. Subjektiv gewählte und forciert dargelegte Gesichtspunkte sollen Wege und Zugänge ins Unterholz und Gestrüpp der großen Frage – und großen Sehnsucht weisen.

Weitere Termine:

15.05.2014
Michael Mönninger: Die Faszination des Hässlichen

19.06.2014
Karin Wilhelm: Was heißt hier Luxus? Moderne Lebens
stile und Objektfetischismus

Ort:
Werkbund Galerie
Goethestraße 13
10623 Berlin