Die Bauhäuslerin Benita Koch-Otte

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Mit der Sonderausstellung Die Bauhäuslerin Benita Koch‐Otte – Textilgestaltung und Freie Kunst 1920 – 1933 würdigt das Bauhaus‐Archiv Berlin das Schaffen der am Bauhaus ausgebildeten Textildesignerin Benita Koch‐Otte und startet damit die Veranstaltungsreihe „bauhaus weiblich. künstlerinnen am bauhaus“.

Das Bauhaus‐Archiv / Museum für Gestaltung in Berlin zeigt bis zum 27. August 2012 Arbeiten einer der bedeutendsten Textilgestalterinnen am Bauhaus. Die Ausstellung präsentiert Koch‐Ottes Schaffen am Bauhaus und an der Burg Giebichenstein in Halle von 1920 bis 1933. Bisher unveröffentlichte Handzeichnungen, Entwurfsskizzen und Knüpfmuster aus Privatbesitz sind im Bauhaus‐Archiv ebenso zu sehen wie eine exklusive Auswahl an Bauhaustextilien wie Koch‐Ottes bekannteste, erhaltene Arbeit, ihr Teppich für ein Kinderzimmer (1923). Mit der Hommage an Koch‐Otte (1892 – 1976) startet das Bauhaus‐Archiv seine Veranstaltungsreihe „bauhaus weiblich. künstlerinnen am bauhaus“, die wichtigen Bauhäuslerinnen gewidmet ist. Zur Ausstellung erscheint ein 136‐seitiger Katalog mit 107 Abbildungen (Preis: 15,90 Euro).

„In unserem Ausstellungsprogramm berücksichtigen wir auch weniger bekannte Bauhäusler, wenn wir von deren künstlerischer Leistung überzeugt sind, um auf sie aufmerksam zu machen. Benita Koch‐Otte ist nicht nur aufgrund ihrer einzigartigen Entwürfe am Bauhaus eine Gestalterin, die nicht vergessen werden sollte. Auch ihre spätere kunstpädagogische Arbeit greift den Wunsch des Bauhauses, in die Lebenswelt zu wirken auf eigene Art auf und verdient Anerkennung. Da wir im kommenden Herbst und Winter auch das Werk der Bauhäuslerinnen Lou Scheper‐Berkenkamp und Gertrud Arndt in Sonderausstellungen zeigen, haben wir ausstellungsbegleitend die Veranstaltungsreihe ,bauhaus weiblich’ initiiert, die sich mit Künstlerinnen am Bauhaus beschäftigt“, erklärte Dr. Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus‐Archivs, im Rahmen der Pressekonferenz.

Begleitprogramm:

Mi, 04.07., 19.30 Uhr
Dr. Irene Below, „Neue Frau“ und Bauhäuslerin in Bethel? – Eine Hommage an Benita Koch-Otte.
Einführung: Dr. Anja Guttenberger, bauhaus weiblich. künstlerinnen am bauhaus.
Eintritt frei

Mi, 11.07., 19.30 Uhr
Kurator Michael Siebenbrodt, Klassik Stiftung Weimar, führt durch die Ausstellung.
Eintritt frei, Voranmeldung erforderlich: visit@bauhaus.de

Mi, 15.08., 19.30 Uhr
Prof. Bettina Göttke-Krogmann, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle,
Textildesign mit Zukunft – Farben, Flächen, Funktionen.
Eintritt frei

Ort:
Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
10785 Berlin

Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Montag 10-17 Uhr, dienstags geschlossen

Hintergrundinfo:

Benita Koch‐Otte am Bauhaus: 1920 – 1925
Nach einer Ausbildung und fünf Jahren Berufstätigkeit als Lehrerin schrieb sich Benita Koch‐Otte, geborene Otte, 1920 am Bauhaus in Weimar ein. Sie belegte den Vorkurs von Johannes Itten und besuchte den ersten Kurs von Paul Klee, dessen Farbenlehre sie später für ihre Zwecke adaptierte. Akt‐ und Figurenzeichnen belegte sie bei Oskar Schlemmer. Anstöße, die der niederländische Künstler Theo van Doesburg den Bauhäuslern gab, verarbeitete sie in einer eigenen Serie. Bereits im Oktober 1920 wurde sie als „älterer Lehrling ohne Lehrbrief“ in die Weberei aufgenommen. In Anbetracht ihrer außerordentlichen Begabung erhielt Koch‐Otte Stipendien und wurde als besonders qualifizierte Studierende ab dem Wintersemester 1923/24 als Gesellin der Weberei eingestellt. 1925 siedelte sie mit dem Bauhaus nach Dessau über und war am Neuaufbau der Weberei beteiligt. Die beiden bekanntesten Arbeiten Koch‐Ottes sind der heute verschollene, von Walter Gropius beauftragte Teppich für das Direktorzimmer (1923) sowie ihr Teppich für ein Kinderzimmer (1923), der eine Doppelfunktion als Lernort für Farben und Formen und Spielfeld zum Hüpfen und Münzwerfen besitzt.


Benita Koch‐Otte an der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle: 1925 – 1933

Paul Thiersch, Direktor der Halleschen Kunstgewerbeschule, berief Benita Koch‐Otte 1925 als Leiterin der Weberei, deren Ausrichtung sie in künstlerischer und technischer Hinsicht bestimmte. Während am Bauhaus die Vermittlung der Gestaltungsgrundlagen auf mehrere Lehrkräfte verteilt war, übernahm Benita Koch‐Otte in Halle diese Aufgabe alleine: Sie unterrichtete ihren Bauhaus‐Lehrern Johannes Itten und Paul Klee folgend das „Studium der Gesetzmäßigkeiten, der Proportionen, der Farben, der Form, der Komposition“, und integrierte ein intensives Naturstudium. Ausbildungsziel war die „Einheit von Form, Farbe, Struktur, Material, Bindung, Zweckdienlichkeit und Wirtschaftlichkeit bei jedem Werkstück“. Zum Unterrichtsprogramm gehörte auch das „Studium der Beziehungen des textilen Gegenstandes zu den Menschen und seinen Bedürfnissen (psychologisch und biologisch) zum Raum, zur Mode, seine Beziehung zur Wirtschaft.“ Die Produktpalette der Werkstatt umfasste Knüpfteppiche, deren Entwurf sich Benita Koch‐Otte selbst vorbehalten hatte, sowie Kleider‐ und Möbelstoffe, Gardinen und Wandbehänge. Ende Mai 1933, wenige Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, erhielt Benita Koch‐Otte ebenso wie ihr Ehemann Heinrich Koch (Leiter der Fotografiewerkstatt) und alle weiteren Kollegen vom Bauhaus ihre Kündigung in Halle.

Künstlerinnen am Bauhaus
Als Walter Gropius 1919 das Bauhaus gründete, strebte er eine Aufnahme der Studierenden „ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht“ an. Mit der Veranstaltungsreihe „bauhaus weiblich“ geht das Bauhaus‐Archiv Berlin der Frage nach dem Wirken der Frauen am Bauhaus nach. Das Programm widmet sich bemerkenswert kreativen Frauen, die das Bauhaus entscheidend mitprägten: Mit der Weberin Benita Koch‐Otte im Juni 2012 beginnend, setzt sich die Reihe im November mit Lou Scheper‐Berkenkamp fort und wird sich im Januar 2013 auf Gertrud Arndt konzentrieren.