Digital Couture

weizenegger berlin appel galerie

Noch bis zum 10.10.09 zeigt die Appel Design Gallery die Ausstellung “Digital Couture” von Hermann August Weizenegger.

Digital Couture ist die Bezeichnung für eine Werkgruppe an der Hermann August Weizenegger in Zusammenarbeit mit traditionell ausgebildeten Handwerkern und Programmierern mit Hilfe datenbasierter Verfahren gearbeitet haben. Sämtlichen Objekten der Werkgruppe liegt das Gestaltungsprinzip der Schichtung und Rotation zu Grunde. Durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien entstanden eine Reihe von Objekten, wie z.B. der Stuhl Erosio (Bild), die Designskulptur Muse, Die Lampe Cloud und ein aus unzähligen lamellenartigen Einzelteilen entworfenes Kleid. Das ästhetische Konzept dieser Werkgruppe ist zwischen funktionsgebundenem Designprodukt und autonomem Objekt angelegt.

Der Stuhl Erosio (Bild) erhält durch die dichte Anordnung von 900 Einzelpappen seine massive Form. Ein im Zentrum befindliches Sinterteil ist Kern eines Stecksystems an dem vier Metallrundstäbe befestigt sind. Diese bilden die innere Konstruktion des Stuhls. Im additiven Verfahren werden die am PC berechneten Layer, die die äußere Gestalt des Stuhls formulieren, auf die Rundstäbe aufgefädelt. Die einzelnen Schichtpappen bleiben teilweise an den Stuhlbeinen unfixiert, so dass die Form des Stuhls innerhalb seiner festgelegten inneren Konstruktion leicht modifizierbar ist.
Der ästhetische Reiz der Oberflächenstruktur des Stuhls ist bestimmt von sinnlichen Merkmalen, die durch das elektronische Herstellungsverfahren entstanden sind, in einer Weise aber manuellen Fertigungsspuren ähnlich sind. Der präzise Laserschnitt mit dem die Pappen geschnitten werden, hinterlässt an den Rändern minimale Brandspuren, Punktierungen und mit bloßem Auge kaum sichtbare feine Ausfransungen. Durch diese materialbedingten und vom Designer durchaus beabsichtigten Nahtstellen (Suture) erhält der Stuhl eine ganz eigene stoffliche Präsenz, die an natürliche Materialien wie Holz oder Sedimentgestein erinnern. Weizenegger spielt hier bewusst mit der markierten Zone zwischen Natur und Artefakt.

Ort:
Appel Design Gallery
Torstraße 114
10119 Berlin

Foto: Bernd Hiepe