Einfachheit im Vielfachen

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Die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin zeigt seit heute und bis zum 16.5.10 die Sonderausstellung Einfachheit im Vielfachen – Berliner Porzellan unter Einfluss von Bauhaus und Burg Giebichenstein anlässlich des 90-jährigen Jubiläums des Bauhauses und der vor 80 Jahren begonnenen Zusammenarbeit zwischen der KPM Berlin und der Staatlich-städtischen Handwerkerschule Burg Giebichenstein – der heutigen Hochschule für Kunst und Design Halle.

Die Ausstellung greift ein berühmtes Zitat des Bauhausgründers Walter Gropius auf und setzt eine der folgeträchtigsten Entscheidungen der KPM in Szene: Es war der amtierende Direktor der KPM, Günther von Pechmann, der schon 1929 die bahnbrechende Zusammenarbeit mit der Kunstgewerbeschule Burg Giebichenstein in Halle ins Leben rief.

Seit 1925 (und bis zu ihrer Entlassung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933) lehrten auf Burg Giebichenstein in Halle die beiden von der Dornburger Keramikwerkstatt des Bauhauses nach Halle gekommenen Bauhäusler Marguerite Friedlander-Wildenhain und Gerhard Marcks. Die Keramikerin Marguerite Friedlaender reformierte die Keramikwerkstatt der Burg nach dem Bauhausvorbild und leitete ab 1929 die Porzellan-Werkstatt der Burg. Diese diente als Versuchslaboratorium für die Berliner Produktion. Marguerite Friedlander-Wildenhain entwickelte im Auftrag der KPM eine ganze Reihe funktionaler Gebrauchsporzellane. Es sind exemplarische Beispiele einer der Neuen Sachlichkeit verpflichteten kompromisslosen Moderne. Marguerite Friedlander-Wildenhains Serie der HALLE-Vasen gehört bis heute zum KPM-Sortiment, und auch ihr Mokkaservice HALLE’SCHE FORM (siehe Bild) wurde in diesem Jahr anlässlich des Bauhaus-Jubiläums wieder neu aufgelegt. Der Bildhauer Gerhard Marcks entwarf 1930 für die KPM ein „Konfektservice“ und einen Satz „Rohkostschalen“. In diesem Kontext leistete die Berliner Manufaktur Pionierarbeit für modernes Porzellandesign und wirkte wegweisend für die gesamte deutsche Porzellanindustrie.

Mit dem Werbeslogan „Porzellan für die neue Wohnung“ wurde eine Erneuerung der Produktpalette der Berliner Manufaktur eingeleitet, die darauf abzielte, die Gebrauchsporzellane auf die moderne Wohnung abzustimmen und vor allem zu vereinfachen. Das Porzellan sollte passend zur fortschrittlichen Architektur und zum Einrichtungsstil des modernen Menschen gestaltet werden. Die Aufwertung der einfachen Formen bedeutete zugleich eine Aufwertung technischer Formen, die der sachlichen Zweckform entsprachen. So wurden die technischen Formen ganz gezielt den neuen, modernen Entwürfen an die Seite gestellt. Begleitet wurde diese Phase mit einer innovativen Bildsprache. Die Kontakte der KPM in Halle wurden dazu genutzt, den „Burg“-Fotografen Hans Finsler mit der Dokumentation und mit Werbeaufnahmen zu beauftragen.

Anlässlich der beiden Jubiläen haben die Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin und die Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design in Halle zum Sommersemester 2009 wieder ein gemeinsames Designprojekt gestartet, dessen Ergebnisse ebenfalls im Rahmen der Ausstellung präsentiert werden. Unter dem Titel In between – Small Dishes entwickelten 13 Studierende der Fachrichtung Keramik- und Glasdesign unter der Leitung von Prof. Hubert Kittel originelle Produktideen für kleine Mahlzeiten zwischendurch.

Ort:
Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin
Wegelystraße 1
10623 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Sonntag 10-18 Uhr