Erotik der Dinge

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Das Museum der Dinge zeigt in der Sonderausstellung Erotik der Dinge vom 3.5. bis 27.8.2018 Sammlungen zur Geschichte der Sexualität.

Was macht Dinge erotisch? Ist es die explizite Darstellung von nackten Körpern und sexuellen Praktiken? Oder die implizite Anspielung und Anmutung, die sich aus Form, Farbe und Materialität der Dinge selbst ergibt? Manche Dinge sind von Anfang an für den erotischen Gebrauch bestimmt, andere werden erst nachträglich erotisiert.

Während Aktfiguren als Repliken respektabler Werke der Kunstgeschichte Eingang in viele Wohnzimmer gefunden haben, waren Erotika vielfach von Zensur, Tabu und Verbot betroffen. Die Unterscheidung zwischen Erotik, Kunst und Pornografie war stets im Wandel und hatte entscheidenden Einfluss auf die Wahrnehmung und Einordnung sexuell aufgeladener Dinge.

Ausgangspunkt der Ausstellung sind die Sammlungen der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld (1868-1935) und Alfred C. Kinsey (1894-1956) sowie der Kunstsammlerin Naomi Wilzig (1934-2015). Sie alle verstanden erotische Dinge als Zeugnisse einer universalen Sexualgeschichte des Menschen. Für Hirschfeld und Kinsey war – neben Fallgeschichten, Interviews und statistischen Beobachtungen – das Sammeln und Klassifizieren von Objekten ein zentraler Aspekt ihrer wissenschaftlichen Beschäftigung mit Sexualität. Naomi Wilzig sammelte themenbezogen und verstand ihre Sammlung als Beitrag zur sexuellen Aufklärung und Liberalisierung.

In der Ausstellung werden die Klassifikationssysteme der Sammler_innen nicht nachgestellt, sondern eine Auswahl von Alltagsgegenständen aus den Sammlungen nach formalen und inhaltlichen Gesichtspunkten neu angeordnet: Liebesmittel, Werkzeuge der Lust, Körperformen, Bildträger sind die Leitbegriffe. Dabei werden die vorgefundenen Objekttypen mit weiteren Leihgaben und museumseigenen Exponaten ergänzt.

Die Ausstellung thematisiert die Erotisierung von Dingen als kulturelle Praxis und versucht zu ergründen, was ihre erotische Qualität ausmacht. Die Form der Dinge, deren Körperähnlichkeit und die Phantasie sie zu berühren, tragen entscheidend zur erotischen Wirkung von Dingen bei, ob es sich um Naturobjekte oder Artefakte handelt. Die Gestaltung von Alltagsobjekten greift dabei oft – bewusst oder unbewusst – auf primäre und sekundäre Geschlechtsmerkmale zurück. Das taktile Versprechen bestimmter Materialarten wie Leder, Seide, Fell, Lack, Latex, Nylon und Metall scheint eine besondere Anziehungskraft auszuüben.

Sexualwissenschaft und Psychoanalyse haben die Erotisierung von Dingen und die Fixierung auf bestimmte Objekte mit dem Begriff des Fetischismus bezeichnet und dieses Verhalten lange Zeit pathologisiert. Hirschfeld sprach hingegen freundlich von erotischen Dingen auch als „Liebesmitteln“. Heutzutage produziert eine ganze Industrie Objekte, die euphemistisch als Spielzeug benannt werden.

Die Ausstellung Erotik der Dinge zeigt ganz unterschiedliche erotische Beziehungen, die Menschen mit Dingen eingehen können. Bestimmte Gegenstände können Lust und Begehren wecken, erotische Phantasien provozieren und zu Werkzeugen der eigenen Lust werden. Das zeigen auch die Kunstwerke von Stephanie Sarley und Marc Martin.

Erotik der Dinge ist eine Gemeinschaftsausstellung der Forschungsstelle Kulturgeschichte der Sexualität der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Werkbundarchiv – Museum der Dinge aus Anlass des 150. Geburtstags von Magnus Hirschfeld. Sie ist das erste in einer Reihe von kooperativen Forschungs- und Ausstellungsprojekten, die die Forschungsstelle mit der Sammlung des von Naomi Wilzig gegründeten World Erotic Art Museum durchführt.

Ort:
Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Zeit:
Eröffnung: 02. Mai 2018. 19 Uhr
Laufzeit: Donnerstag, 3. Mai 2018 bis Montag, 27. August 2018
Donnerstag bis Montag, 12.00 – 19.00 Uhr

Bild:
Relax-A-cizor, elektrisches Stimulationsgerät für Frauen
Relaxacizor Inc., Hollywoood, California, 1955
Sammlung Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Foto: Armin Herrmann