Glasdekor-Ausstellung DECOR.UM

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Noch bis zum 22. November zeigt das Kunstgewerbemuseum die Ausstellung DECOR.UM – Zeitgenössische Interpretationen traditioneller Glasdekortechniken: 600 Prototypen, 80 Designer.

Durch die grundlegende Unterstützung von „Interreg III“, einem grenzüberschreitenden Förderprogramm der Europäischen Union konnten das Centre International d`Art Verrier (CIAV) im lothringischen Meisenthal und die Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar) in Saarbrücken zwischen 2005 und 2008 ein Forschungsprojekt zur Veredlung von Gebrauchsglas durchführen. Im Rahmen einer Wanderausstellung werden die circa 600 Prototypen von rund 80 Designern nun in Berlin gezeigt. Zu den Entwürfen zählen sowohl solche von namhaften Gestaltern, wie James Irvine oder Werner Aisslinger als auch studentische Arbeiten.

Die Tradition der saarländischen und lothringischen Glasverarbeitung reicht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde in der Glashütte in Meisenthal (Lothringen) eine Vielzahl der Jugendstilgläser von Emile Gallé (1846-1904) produziert.
In Meisenthal, das auch heute noch für handwerkliche Glasproduktion bekannt ist, wurden nun mittlerweile zum dritten Mal unter der konzeptionellen-künstlerischen Leitung von dem Designer und Architekten Andreas Brandolini zahlreiche internationale Workshops mit Studierenden der HBKsaar und weiteren Hochschulen aus Deutschland, Belgien, Frankreich und der Schweiz durchgeführt. Ziel war es, mit lokal überlieferten, handwerklichen Techniken der Glasherstellung, neue Formen zu schaffen. Dabei stand das Dekor im Mittelpunkt des Forschungsinteresses.
Weil die manuelle Umsetzung es erforderte, musste bei den innovativen Kompositionen der jungen Gestalter die Idee zu einem dekorativen Element bereits in der Entwurfszeichnung festgehalten sein. Der von Hand und mit Hilfe traditioneller Werkzeuge gefertigte Zierrat macht die Stücke so zu Unikaten.
Angewandt wurden traditionelle Techniken wie Schleifen, Ätzen, Sandstrahlen, Versilbern oder Vergolden. Hervorgegangen sind dabei auch Glasobjekte, bei denen „funktionales Dekor“ den ästhetischen Aspekt (Verzierung) und funktionale Gegebenheiten (Gebrauch) miteinander verbindet. Auch wurden Missgriffe und fehlerhafte Ergebnisse des geblasenen Glases zur Grundlage von neuem Dekor.

Die einzelnen Workshops wurden von bekannten Designern geleitet, wie dem Briten James Irvine (geb. 1958; in den 1990ern Partner von Sottsass Associati in Mailand; lehrend in Karlsruhe, Mailand und London), Jerszy Seymour (geb. 1968; Zusammenarbeit mit zahlreichen italienischen Firmen; lehrende Tätigkeiten in London, Mailand, Lausanne), Werner Aisslinger (geb. 1964; Lehraufträge in Helsinki; Professur an der HfG in Karlsruhe; Mitglied des Kuratoriums der Raymond Loewy Foundation, Jurymitglied beim Lucky Strike Designer Award) sowie dem Franzosen François Azambourg (geb. 1963; tätig u.a. für die Firmen Hermes, Cappellini, Ligne Roset). Der Projektleiter Andreas Brandolini (geb. 1951) ist seit 1989 Professor an der „Hochschule der Künste Saar“ in Saarbrücken.

Das 1992 gegründete Centre International d`Art Verrier erhält die Tradition der bis zum Jahre 1969 existierenden Glashütte am Leben und möchte das historische Wissen der Glasmacher sowohl bewahren als auch aktualisieren. Neben der Produktion von individuellem Gebrauchsglas ist sie heute vor allem auch für ihre experimentelldekorativen Weihnachtskugeln berühmt. Die zum Teil von berühmten Designern entworfenen und in handwerklicher Tradition produzierten Kugeln, sind über die Region hinaus bekannt.

Das Kunstgewerbemuseum unterstützt mit der Ausstellung zum einen die Präsenz von jungen Designern und angehenden Gestaltern in der Öffentlichkeit. Des Weiteren ergänzen die zeitgenössischen Glas-Entwürfe der Ausstellung den hauseigenen Bestand an Glasobjekten des Kunstgewerbemuseums in vorzüglicher Weise. Mit den Sammlungsbereichen zu Böhmischem und Venezianischem Glas oder auch Gläsern des Jugendstils werden bedeutende Etappen der Glasentwicklung gezeigt. In der Design-Abteilung des Kunstgewerbemuseums sind weitere Werke aus dem Oeuvre zahlreicher hier erwähnter Designer zu sehen.

Ort:
Kunstgewerbemuseum
Matthäikirchplatz
10785 Berlin

Öffnungszeiten:
Di-Fr 10-18 Uhr
Sa, So 11-18 Uhr

Fotonachweis:
Andreas Brandolini
„Taugenichtse“, 2008
CIAV, Meisenthal
© Centre International d‘Art Verrier (CIAV), Meisenthal und Hochschule der Bildenden Künste Saar (HBKsaar), Saarbrücken, Foto: Frédéric Goetz