HKW stellt die Wohnungsfrage

architektur berlin ausstellung

Das Haus der Kulturen der Welt zeigt noch bis zum 14.12.15 die Architekturausstellung “Wohnungsfrage”.

Immer weniger Menschen können selbstbestimmt über bezahlbaren Wohnraum verfügen. Weltweit ist die Wohnungsfrage zunehmend der Immobilienwirtschaft überlassen. In der Folge verändern sich die urbanen und sozialen Strukturen. Besonders das Fehlen alternativer gesellschaftlicher Akteure macht sich schmerzlich bemerkbar. Die spannungsgeladene Beziehung von Architektur, Wohnungsbau und sozialer Realität untersucht das HKW-Projekt Wohnungsfrage in einer Ausstellung experimenteller Wohnformate, einer internationalen Akademie sowie einer Publikationsreihe, die sich mit den Möglichkeiten eines selbstbestimmten, sozialen und bezahlbaren Wohnungsbaus befasst. Im Mittelpunkt des Projektes Wohnungsfrage steht Architektur als soziokulturelle Praxis, die im Austausch zwischen Nutzern und Planern entsteht. Auf diesen gemeinschaftlich gestaltenden Prozess baut Wohnungsfrage auf.

Berliner Initiativen, die sich mit den Folgen von Verdrängung, Mietpreiserhöhungen und dem Verlust öffentlicher Räume engagieren, werden zu Auftraggebern für renommierte internationale Architekturbüros. In einem dialogischen Prozess entwickeln sie konkrete Entwürfe für 1:1 Wohnmodelle. Die Mietergemeinschaft Kotti & Co kooperiert mit dem Estudio Teddy Cruz und Fonna Forman mit Sitz in San Diego. Die Begegnungsstätte für Jung und Alt Stille Straße 10 trifft auf das Architektenkollektiv Assemble aus London. Das Kooperative Labor Studierender (Kolabs) arbeitet mit Atelier Bow-Wow aus Tokio zusammen. Dogma, gegründet von Pier Vittorio Aureli und Martino Tattara in Brüssel, arbeitet gemeinsam mit der Realism Working Group aus Frankfurt sowie mit Florian Schmidt, Atelierbeauftragter des Kulturwerks bbk berlin.

Forschungsprojekte wie House Housing: Eine unzeitgemäße Geschichte der Architektur und Immobilien des Buell Center der Columbia Universität, das Rechercheprojekt über kubanische Mikrobrigaden von Florian Zeyfang, Lisa Schmidt-Colinet und Alexander Schmoeger sowie die historische Fallstudie Communal by Commune: The Case of Kibbutz Yagur von Zvi Efrat und Galia Bar Or kontextualisieren die neu entwickelten Wohnformate und verorten sie in einem globalen Zusammenhang. Auftragsarbeiten von Lara Almarcegui, Maria Eichhorn, Angelika Levi, Martha Rosler und Amie Siegel setzen sich aus künstlerischer Perspektive mit der Frage selbstbestimmten Wohnens auseinander.

Zur Ausstellung erscheint eine Publikationsreihe.

Begleitet wird Wohnungsfrage von einem umfassenden öffentlichen Veranstaltungsprogramm mit Publikumsdebatten, Seminaren und Führungen. An Sonntagen geben Führungen mit Kurator_innen, Architekt_innen und Stadtaktivist_innen wie Matthias Böttger, Francesca Ferguson, Mathias Heyden, Barbara Meyer und Philipp Oswalt Einblicke in die Ausstellung. In künstlerischen Workshops bauen Kinder mit dem Architekten Van Bo Le-Mentzel das kleinste Haus der Welt (29.11.), entwerfen mit der Illustratorin Doro Petersen und dem Architekten Nils Hauer Wohnalternativen für die Zukunft (1.11.) oder planen mit dem Fotografen Jan von Holleben ihren Umzug ins HKW (15.11.). In Kooperation mit filmArche drehen Erwachsene einen Film zum Thema Wohnen in Berlin (28.-29.11. und 5.–6.12.).

Der öffentliche Workshop “Wir wohnen, wie wir wollen” fragt nach dem kritischen Potenzial partizipativer Projekte: Im Gespräch treffen Akteur_innen aus Marseille, Istanbul, Berlin und Bethlehem aufeinander (29.10.). Für das Kunstprojekt House of Many nehmen 60 Kinder und Jugendliche das HKW in Beschlag, um ein mögliches zukünftiges Zusammenleben zu proben (26.–31.10.).

Öffnungszeiten:
Ausstellung: Mi – Mo und feiertags, 11 – 19 Uhr

Eintritt:
Ausstellung: 7€ / 5€ inklusive Begleitheft zur Ausstellung, Mo Eintritt frei
Führungen: 3€ zzgl. Ausstellungsticket

Ort:
Haus der Kulturen der Welt
John-Foster-Dulles-Allee 10
10557 Berlin

Foto:
Realism Working Group + Dogma
Communal Villa: Production and Reproduction in Artists’ Housing
© Jens Liebchen