Interview mit Christopher Bauder WHITEvoid:Kunst-Design-Technologie

gewinner design-preis deutschland 2010 preis-verleihung ambiente

Anlässlich der heute stattfindenden Preisvergabe des diesjährigem Designpreises der Bundesrepublik Deutschland auf der Ambiente in Frankfurt hat BerlinDesignBlog ein Interview mit dem Berliner Preisträger Christopher Bauder geführt. Sein Studio WHITEvoid hat die Auszeichnung im Bereich Kommunikationsdesign in Silber für sein Online-Portfolio erhalten.

BDB: Hallo Christopher, kannst Du kurz etwas über die Entwicklung Eures Online Portfolios erzählen?

Christopher Bauder: Ich selbst habe immer einige Papierstapel auf meinem Schreibtisch rumfliegen und somit lag die Idee zum digitalen Portfolio schon lange vor mir. Herausgekommen ist dabei das preisgekrönte Online-Portfolio, was intuitiv und leicht navigierbar ist: es übersetzt das klassische, analoge Ausbreiten von Fotos, Projekten und eben diesen Papierstapeln in die digitale 3D Welt. Umgesetzt habe ich es in enger Zusammenarbeit mit zwei Programmierern unter Verwendung von Flash und Papervision3D.

BDB: Um den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland kann man sich nicht bewerben, sondern man wird nominiert. Wie kam es dazu?

Christopher Bauder: Wir haben für das Online-Portfolio ja bereits zahlreiche Preise, darunter den iF communication design award, WEBBY Award und reddot communication design award, gewonnen – das muss dem Rat für Formgebung aufgefallen sein. Ich denke, so kam es zur Nominierung. Dass wir den Preis tatsächlich gewonnen haben, ist eine große Ehre. Es zeigt aber auch, wie überzeugend das Online-Portfolio ist, sonst hätten wir uns bei der Menge der Nominierten nicht durchsetzen können.

BDB:
Du hast gerade erwähnt, dass Ihr zahlreiche weitere Auszeichnungen erhalten habt. Wie zieht Ihr aus dem Gewinn von Preisen einen Nutzen?

Christopher Bauder: Wir freuen uns über jeden Preis, gerade der Designpreis der BRD bringt uns viel Aufmerksamkeit – zumindest in Fachmagazinen, sicher auch in der Branche. Auf unserem Konto schlägt sich das aber noch nicht nieder. Die meisten unserer Kunden kommen über andere Wege auf uns zu – finden es dann aber super, wenn sie die ganzen Preise in unserem Büro sehen. So können wir zeigen, dass wir auch als kleine Firma ausgezeichnete Arbeit leisten.

BDB: Ihr gestaltet interaktive Installationen und Produkte für Museen, Messen und Events. Welche Projekte habt Ihr in letzter Zeit in Berlin realisiert?

Christopher Bauder: Wir haben für die aktuelle Sonderausstellung im Jüdischen Museum ein analoges und gleichzeitig digitales Steckspiel erstellt:

unstuck steckspiel jüdisches museum berlin sonder-ausstellung

Letztes Jahr haben wir dort eine grosse Rauminstallation mit Projektionen auf Spionglasscheiben für die Dauerausstellung eingebaut. Außerdem haben wir im letzten Jahr die ATOM Performance im Berghain gezeigt:

atom performance berghain bild von justine lera
photo by Justine Lera

Sonst sind wir mit dieser Performance und großen Installationen wie dem Polygon Playground eher im Ausland unterwegs, zuletzt in Spanien, Portugal, Kanada und Taiwan. Unser neues Lichtsystem Kinetic Lights haben wir zuerst in der Schweiz vorgestellt.

BDB: Wie würdest Du die Berliner Designszene in Eurem Arbeitsbereich beschreiben? Was macht die Konkurrenz? Wohin geht die Entwicklung?

Christopher Bauder: In unserem sehr speziellen Bereich von interaktiver Kunst und Design ist die Szene sehr klein. Mehr Konkurrenz gibt es im Bereich Interface Design, wozu man unser Online-Portfolio zählen könnte – aber das ist nicht der Schwerpunkt von WHITEvoid. Unser Fokus liegt auf dem Transfer von Bits und Bytes in den realen Raum und umgekehrt, wir bewegen uns an den Schnittstellen von Kunst, Design und Technologie.

BDB:
Was inspiriert Dich an Berlin?

Christopher Bauder: Ich bin jetzt schon seit 12 Jahren in Berlin, und eines hat die Stadt trotz ihrer vielen Veränderungen nicht verloren: ihre Gegensätzlichkeit. Heute zu einer Clubnacht mit elektronischer Tanzmusik, morgen zu Motörhead. Gegenüber von Hugh Grant im Grill Royal essen oder beim Stehimbiss Burgermeister die Nacht verbringen. Tanzperformance oder Oper, Berlinale oder Transmediale oder doch eher Clubtransmediale?! Das kannst Du alles fast auf einmal haben. Und das inspiriert.

BDB: Vielen Dank für das Interview, Christoph. Wir freuen uns auf mehr von Euch!