Interview mit fmhofmann

whiteout & glare berliner brillen-designer fabian hofmann

Das Berliner Brillenlabel whiteout & glare hat vor kurzem seinen neuen Showroom am Rosa-Luxemburg-Platz bezogen. Anlass für BerlinDesignBlog einmal mit dem umtriebigen Chefdesigner fmhofmann zu sprechen:

brillen-label berlin design glasses kollektion

BDB: Was ist das Besondere an whiteout & glare Brillen bezüglich Design und Material?

fmhofmann: Es ist vielleicht ganz einfach die Purheit. Jedes Funktionselement hat eine komplexe aber nachvollziehbare Form und sein eigenes Material. So bleiben die einzelnen Elemente ablesbar und addieren sich auf zum Gesamtprodukt. Zum Beispiel bei unseren neuen TI22 Acetatbrillen: Dort ist das Gelenk nicht eingebaut, oder versteckt, sondern tritt als Funktionseinheit stilbildend hervor.

berlin designer-brille

Na ja, das Gelenk als Firmensymbol ist ja fast schon so ein Berliner Ding, aber in diesem Falle eben doch ganz eigen in seiner Ausprägung. Ganz persönlich gefällt mir an den Brillen das Volumetrische. Obgleich sie sehr alle leicht sind, hat man nie das Gefühl von Zweidimensionalität, das Licht kann auf den gekurvten und hochpolierten Flächen tanzen. Das gilt auch für die Materialien: massives Titan, unbeschichtetes Polyamid, Acetatvollmaterial und so weiter, man könnte sie durchaus als ‘ehrliche’ Materialien bezeichnen.

whiteout&glare whiteoutandglare

BDB: Ihr seid vor kurzem von Eurem Büro in der Chausseestraße an den Rosa-Luxemburg-Platz gezogen. Was wird uns da geboten? Wohin soll die Reise gehen?

fmhofmann: Die Gegend um die Chaussestrasse war, vermutlich durch die neue Nachbarschaft, immer unwirtlicher geworden. Vor eineinhalb Jahren haben wir unsere neue Fläche in einer Platte schräg gegenüber der Volksbühne entdeckt und vor ein paar Wochen erst sind wir tatsächlich eingezogen. In erster Linie ist es unsere Basis, wir arbeiten dort und entwickeln neue Produkte. Es bietet uns aber auch die Möglichkeit, die gesamte Produktpalette von whiteout & glare zu präsentieren und natürlich auch zu verkaufen. Im Januar diesen Jahres haben wir auch unsere neue Linie W+G vorgestellt, die wechselnde Produktfamilien und Accessories ausserhalb des Brillenmarktes zusammenfasst. Zudem ist geplant, befreundete Labels mit aufzunehmen. Ganz aktuell werden wir die neuesten Uhren von Nixon vorstellen.

BDB: In der gleichen Strasse ist ja auch noch ein anderes Berliner Brillenlabel vertreten und parallel auf eurer Rückseite ein weiteres. Ist das ein Fluch oder ein Segen für Euch?

fmhofmann: Ein Segen, für alle! Mitbewerber sind immer gut, für alle Beteiligten. So kann ein interessierter Kunde in Laufweite verschiedene Optionen ausprobieren, das wird über kurz oder lang viele Menschen anziehen, ist man erst mal da, dann kann man sich gemütlich auf die Auswahl des richtigen Produkts konzentrieren. Dabei bekommt jeder was ab und ausserdem sind die wir drei Labels durch eine gemeinsame Vergangenheit miteinander verbunden. Wir wussten ja von Anfang an, wer unsere Nachbarn sind, aber das war nicht die Entscheidungsgrundlage für den Ort. Der kleine Park vor unseren Fenstern, das neue Buntschuhhaus und die Volksbühne, dieses Setting hat uns von Anfang an gefallen. Ausserdem ist Mitte mein Kiez, ich mag die Menschen dort und den Mix, es ist eben nicht alles nur Mitte-Schick, sondern auch sozialer Brennpunkt. Wer dort lebt, kennt das Gefühl.

opti münchen 2009 brillenmesse

BDB: Spektakulär sind auch immer Eure Messestände. Für Euren Auftritt auf der opti 2009 gab es dann auch einen if award. Erzähl uns etwas zum Konzept und der Umsetzung dieses Standes.

fmhofmann: Nicht nur einen if award, ein red dot kam noch hinterher! Diesen Stand hatten wir speziell zum Start der TI22-Serie konzipiert; alle Flächen waren aus 6mm Doppelwellpappe gefaltet, nach einem scheinbar zufälligen hexagonalen, von der Atomstruktur von Titan abgeleiteten Formprinzip. Auf diese Weise konnten wir einen stabilen 15 Meter langen und nur 2 Meter breiten Stand ganz ohne Träger selbsttragend herstellen. Leider mussten wir aus Brandschutzgründen den Stand lackieren, so kam die Farbigkeit zustande. Am Ende der Messe wurde der Stand recycled, zu fast 100%, der Boden war Polypropylen, die Wände Wellpappe.

messe-stand if award red dot berlin münchen fabian hofmann

BDB: Du gestaltest nicht nur Brillen, sondern hast im vergangenen Jahr beispielsweise zwei red dots in der Kategorie “corporate design” für Blank und Found bekommen. Was waren das für Arbeiten?

fmhofmann: Nun, das Entwickeln von Brillen ist ja nur ein kleiner Teil des Ganzen. Ein ganz wichtiges Anliegen ist mir neben klassischem Produkdesign die Entwicklung von ‘corporate identities’. Ich bin über die letzten Jahre mit vielen (herstellenden) Industrien in Verbindung gekommen und musste immer wieder feststellen, dass dort sehr oft verschiedenen Abteilungen in einer Firma vor sich hin arbeiteten, aber ein Gesamtbild ergab sich da häufig nicht. Jeder hatte eigene Varianten vom Firmenlogo auf dem Rechner, mal alt, mal überarbeitet, jeder verwendete seine eigene Schrift, zuweilen ein abenteuerlicher Wildwuchs. Es geht mir also bei CI um so etwas wie einen Firmenorganismus, also ein harmonisches System verschiedener ineinandergreifender Bausteine, die einfach zu überblicken und zu handhaben sind und stark in der Aussenwirkung: es wird sofort klar, die wissen, was sie tun. CI funktioniert also wie eine Art Kompetenzsignal. Die beiden prämierten Arbeiten waren Firmenneugründungen, das ist das Beste was einem passieren kann. Sowohl bei Blank, wie auch bei Found konnte ich gemeinsam mit den Firmengründern etwas entwickeln, was genau ihren Bedürfnissen entsprach. In beiden Fällen konnte ich das Logo, die Firmendarstellung, Verpackungen und auch Produkte bis hin zu Messeauftritten und den Shops oder Showrooms gestalten. Auftragspralinen gewissermassen.

BDB: Du warst bei dem Award als Freiberufler ebenso erfolgreich wie die großen Unternehmen MetaDesign und Scholz&Friends. Wie fühlt sich das an? Welchen Nutzen ziehst Du daraus?

fmhofmann: Ich würde mich nie mit so grossen Designagenturen vergleichen wollen, die machen letztlich etwas ganz anderes, bei Agenturen ist kaum etwas spezialisiert, fast alles wird angeboten und manchmal auch auf hohem Niveau. Ich hingegen bin spezialisierter, breit gefächert zwar, aber ich bin als Einzelperson ja nicht auch noch eine Einmannwerbeagentur. Die Awards sind für potentielle Kunden ein leckeres Marketingmehrwertbonbon. So gesehen fühlt sich das für meine Kunden gut an, die Awards sind eine Art externe Bewertung meiner Qualität und für sie ein Prädikat gegenüber ihren Kunden. Persönlich geht es mir wie vielen meiner Fachkollegen, man freut sich, aber man ruht sich nicht darauf aus. Aber es ist schon erstaunlich, dass man mit jeder neuen Auszeichnung in zuvor verschlossene Netzwerke aufgenommen wird, Presse und Verlage melden sich und so gesehen hat das schon seine Vorteile.

BDB: Was ist für Dich “gutes Design”?

fmhofmann: Böse Frage! Da könnte man einen ganzen Abend referieren und würde es kaum zu fassen bekommen. Design ist ja ein Prozess, etwas sehr wissenschaftliches, wenn man so will, auch wenn das in Deutschland nicht so verstanden wird. So gesehen kann gutes Design zu einem stimmigen Produkt oder zu einer stringenten Funktion führen. Sullivans Theorem ‘Form ever Follows Fuction’ kann man also auch etwas anders interpretieren. Formal kann man das nur sehr schwer bewerten, denn wenn man Design ‘nur’ als ‘Schönmachen’ von technischen Geräten versteht – wie hier in Deutschland landläufig üblich – dann hat man gleich ein Problem; man bewegt sich in den moorigen Gefilden des Geschmacks. Für mich persönlich ist gutes Design klar in seiner Aussage, das bringt es vielleicht auf den Punkt, alles, was kompliziert erklärt werden muss, ist vielleicht nicht ganz so gut gestaltet…

BDB: Was inspiriert Dich an Berlin?

fmhofmann: Die Weite und das Kleine! Ich habe das so noch in keiner anderen Stadt erlebt, das ist wirklich sehr berlinspezifisch.

BDB: Danke, Fabian! Wir freuen uns auf mehr von Dir!

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