Interview mit Sascha Peters

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Es gibt eine neue Kategorie auf BerlinDesignBlog. In loser Reihenfolge wird es zukünftig Interviews mit interessanten Personen aus der Berliner Designwelt geben. Den Anfang macht ein Gespräch mit Dr. Sascha Peters, der seit Anfang diesen Monats das Materialkompetenzzentrum bei modulor leitet.

BDB: Sie haben Ihr Engagement als stellvertretender Leiter des Design Zentrums Bremen aufgegeben und arbeiten seit April diesen Jahres bei modulor in Berlin. Warum dieser Wechsel? Wie kam es dazu?

Sascha Peters:
Modulor hat sich in den letzten Jahren zu einer Plattform um alle Fragen rund um das Thema Materialien etabliert und ist bei Designern und Architekten anerkannt. Vor allem die Funktion, als Mittler zwischen Technologieunternehmen und kreativen Dienstleistern aufzutreten, soll in Zukunft noch viel stärker als bislang ausgebaut werden. Als Ingenieur und Designer hat mich das Angebot, in leitender Stellung eine solche Schnittstellenfunktion zu übernehmen, sehr gereizt.
Aufmerksam wurde Modulor auf mich als Material-Kolumnist der form und Autor des Handbuchs für technisches Produktdesign, das in 2006 beim Springer Verlag erschienen ist. In diesem Fachbuch werden Designer auf knapp 600 Seiten über die unterschiedlichsten Werkstoffe und Fertigungsverfahren in einer Art und Weise informiert, die ihrer Arbeit- und Denkweise entspricht.

BDB: Bei modulor leiten Sie das Material-Kompetenzzentrum. Was ist das? Was tun Sie dort? Und in welche Richtung wollen Sie diese Abteilung führen?

Sascha Peters: Ziel des Kompetenzzentrums ist es, professionelle Kreative viel intensiver als bislang mit technischen Informationen zu versorgen und die Prozesse zur Überführung technologischer Innovationen in marktfähige Produkte durch Integration kreativer Disziplinen in die Entwicklungsvorhaben zu beschleunigen.
Immer häufiger können wir feststellen, dass technische Neuerungen zwar in Deutschland entwickelt aber anderswo vermarktet werden. Bestes Beispiel ist wohl der iPod. Während sich die Fraunhofer Gesellschaft, als Entwickler der MP3-Technologie, über Patent-Lizenzeinnahmen in Millionenhöhe freut, revolutionierte Apple unser Musikkonsumverhalten.
Für einen Markterfolg reicht es also nicht mehr nur aus, in Technologien zu denken. Es ist heute erforderlich, uneingestandene Kundenwünsche zu erkennen und diese frühzeitig in den Entwicklungsprozess zu integrieren. Dass diese Qualität von Designern und Architekten kommt, ist offensichtlich und wird am Standort Berlin mehr als deutlich.

BDB: Ich nehme an, Sie sind nach Berlin gezogen. Kennen Sie Berlin bereits? Was reizt Sie an Berlin? Wie beurteilen Sie die Situation des Produktdesigns in Berlin und dessen technologische Innovationskraft?

Sascha Peters: Von einigen Projekten und Besuchen hatte ich bereits einen guten Eindruck von Berlin. Insbesondere die Mischung zwischen den unterschiedlichen Kreativszenen und Kulturen reizt mich besonders. Im europäischen Kontext wird Berlin ja als eine der Kreativhochburgen wahrgenommen und zieht Designer, Architekten und Künstler aus den unterschiedlichsten Ländern wie magisch an. Die besondere Stimmung kann ich schon nach wenigen Wochen ganz intensiv spüren und bin gespannt auf mehr.
Es haben sich zudem Strukturen entwickelt, die zu einer Optimierung von technologischen Innovationen in marktfähige Produkte durch frühzeitige Integration von Designern und Architekten in die Entwicklungsprozesse führen können. Vor allem die zunehmende Nähe zwischen Forschern und Kreativ-Dienstleistern ist auch für modulor von großem Interesse. Hier werden wir uns in Zukunft stärker einbringen und vernetzen.

BDB: Vielen Dank und viel Erfolg, Herr Peters!