Kunst und Keksdose

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Das Bröhan Museum Berlin zeigt bis zum 9. November 2014 in der Ausstellung Kunst und Keksdose. 125 Jahre Bahlsen historische Verpackungen und Werbeplakate der niedersächsischen Keksfabrik.

Schon um die Jahrhundertwende hat der Firmengründer Hermann Bahlsen die Wichtigkeit einer Corporate Identity erkannt und dabei konsequent auf die Zusammenarbeit mit Künstlern gesetzt. Für seine exquisit gestalteten Verpackungen hat das Hannoveraner Traditionsunternehmen auf vielen Weltausstellungen Preise gewonnen. Anhand der Keksverpackungen und -dosen kann der Besucher künstlerische Strömungen vom Jugendstil über die 20er Jahre bis in die 70er Jahre nachvollziehen, da die Verpackungen oft ein Spiegelbild der jeweiligen Kunststile sind. Kunstgeschichte verschmilzt mit Wirtschaftsgeschichte und dokumentiert die weltweit wahrgenommene Kreativität und die Innovationen eines deutschen mittelständischen Unternehmens. In der Ausstellung werden über 250 Exponate aus einer großen Privatsammlung sowie aus dem Firmen-Archiv gezeigt.

Als Hermann Bahlsen vor 125 Jahren mit der Keksproduktion begann, brachte er nicht nur eine Köstlichkeit auf den Markt, sondern bereicherte auch den deutschen Sprachschatz mit dem Wort Keks. Für das Bröhan-Museum ist jedoch noch eine weitere Innovation Hermann Bahlsens von besonderem Interesse. Wie keine andere Firma weltweit verknüpfte Bahlsen Marketing und Kunst. Nicht mit dem Schriftzug Bahlsen, auch nicht mit dem Produkt Keks machte die Firma auf ihren Schmuck- und Geschenkdosen auf sich aufmerksam, sondern mit Kunst. Über 100 Jahre lang überraschte Bahlsen seine Kundschaft mit immer neuen, völlig unterschiedlich, aber jedes Mal aufwändig gestalteten Verpackungsschachteln und Dosen. Nicht allein der Name des Unternehmens und auch nicht nur der Keks selber wurden damit zum Wiedererkennungsmerkmal, sondern die qualitätvolle, an den Kunststilen des 20. Jahrhunderts angelehnte Gestaltung. War um 1900 der Jugendstil prägend für die Keksdosen der Firma, gab Anfang der 1920er Jahre die expressionistische Malerin Martel Schwichtenberg das Verpackungsdesign vor, bis Ende der 20er Jahre der Konstruktivismus zum prägenden Gestaltungselement wurde. Die harten Nachkriegsjahre spiegeln sich im schlichten Design der Blechdosen wider, bis in den 1960ern Dosen in knalligen Farben Elemente der Op Art und Pop Art aufnehmen. Die Zusammenarbeit des Unternehmens mit Künstlern war nicht nur auf die Verpackungen beschränkt: Ebenso legte man die Gestaltung von Plakaten, Anzeigen, Reklamemarken, Fabrikarchitektur, Musterläden, Reklamepostkarten, Schaufenstern oder Ausstellungsständen in die Hände von Künstlerinnen und Künstlern. Weit über Hermann Bahlsens Lebenszeit hinaus spiegelten die Verpackungen die Kunstströmungen des jeweiligen Jahrzehnts wider.

Ort:
Bröhan-Museum
Schloßstraße 1a
14059 Berlin

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr und an allen Feiertagen

Bild:
Starendose
Emanuel Josef Margold, 1914
Sammlung Felix Brusberg, Berlin
Foto: Ronald Gerhardt