Peter Raacke über Herbert Hirche

werkbundarchiv museum der dinge berlin jour fixe

Das Werkbundarchiv-Museum der Dinge stellt sich im Kontext seiner aktuellen Ausstellung zu Herbert Hirche dem Thema “Individuelles Erbe und kollektive Bedeutung”. Zum Jour fixe am 6. September ist Peter Raacke zu Gast, um mit dem Publikum über die Frage “Gibt es ein Vermächtnis Herbert Hirches?” ins Gespräch zu kommen.

Wie grau ist die Vorzeit? Strahlt sie in die Gegenwart?

1959 lud Peter Raacke für den neu gegründeten Verband Deutscher Industrie-Designer (VDID) zu einer ersten Tagung nach Kassel ein. Die sieben jungen Gründungsmitglieder forderten die Formulierung eines Berufsbildes und einer Berufsethik für Formgestalter, Ausbildungsrichtlinien und eine verbindliche Gebührenordnung. “Wir orientierten uns an den Ärzten! So wie die Halbgötter in Weiß wollten wir werden. Man dient nicht dem Fabrikanten, sondern dem Benutzer und man ist Anwalt und man ist verantwortlich.” (Peter Raacke, 2004)? ?

Die Newcomer wurden von der Riege etablierter Kollegen regelrecht ausgebuht. Fast wäre die Veranstaltung geplatzt, hätte sich nicht Herbert Hirche – selbst Vertreter der älteren, Bauhaus- und Werkbundgeprägten Generation – hinter das Verbandsprojekt der “jungen Rebellen” gestellt. Über viele Jahre sollte er als Präsident dem VDID vorstehen und die Entwicklung des neuen Berufsbildes mit prägen. Als Hochschullehrer bildete Herbert Hirche selbst Generationen von Designern und Designerinnen aus.

Prof. Peter Raacke ist Gold- und Silberschmied, Emaillemeister und Industrie-Designer. 1958 gründete er sein Büro “raacke design”, ein Jahr darauf – gemeinsam mit sechs jungen Kollegen – den VDID. Peter Raacke lehrte unter anderem an der Hochschule für Gestaltung Ulm und an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Zu den bekanntesten Entwürfen von “raacke design” gehören das Besteck “mono”, der “Ulmer Koffer” aus zwei identischen Kunststoffschalen, das modulare Büromöbelsystem “VOKO” und das weltweit erste Pappmöbelprogramm.

Der Jour fixe dient einem regelmäßigen, informellen Austausch zwischen geladenen Gästen, den Museumsmitarbeitern und einem interessierten Publikum über aktuelle Arbeitsfelder und Sammelgebiete des Museums.

Zeit:
6. September 2010, 19 Uhr

Ort:
Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin