Politik mit Dingen

museum der dinge ausstellung berlin made in germany

Das Museum der Dinge zeigt vom 25.9.2014 – 2.2.2015 die Ausstellung Made in Germany – Politik mit Dingen. Der Deutsche Werkbund 1914.

Am Vorabend des Ersten Weltkrieges betrieb der 1907 von Künstlern und Industriellen gegründete Deutsche Werkbund eine Mobilmachung der Dinge: Durch eine zweckmäßige, sachliche und standardisierte Gestaltung sollte das Label „Made in Germany“ zu einem Gütesiegel werden und die Exportfähigkeit des Deutschen Reiches in großem Maßstab befördern. Diese von England 1887 gesetzlich eingeführte Kennzeichnungspflicht für deutsche Produkte, denen man mangelhafte Qualität unterstellte, kann als Ausdruck des ökonomischen Machtkampfs zwischen England und dem Deutschen Reich verstanden werden.

Sieben Jahre nach der Gründung präsentierte der Reformverband unter dem Titel „Deutsche Werkbund-Ausstellung Cöln 1914“ einem internationalen Publikum eine erste, groß angelegte Bestandsaufnahme seiner Arbeit im Bereich der Produktkultur und Architektur. Diese Leistungsschau war ein nationales Großereignis. Sie wurde im Mai in Anwesenheit des Kaisers eröffnet und Anfang August wegen Kriegsbeginn abgebrochen. Der im Kontext der Kölner Ausstellung ausgetragene Streit über die Grundlagen der modernen ästhetischen Gestaltung – der so genannte Werkbund- oder Typisierungsstreit – ist bis heute design- und kulturhistorisch relevant.

Das Werkbundarchiv – Museum der Dinge nimmt die historische Kölner Schau als Bezugspunkt, um in den frühen kommunikativen und gestalterischen Strategien des Deutschen Werkbunds nationalökonomische und kulturpolitische Zielsetzungen zu verdeutlichen. Das in programmatischen Äußerungen der Werkbund-Protagonisten vor 1914 sichtbare Konzept einer nationalen Moderne wird kritisch hinterfragt und von der internationalen Moderne nach dem Ersten Weltkrieg abgesetzt. Zentrale Fragen dabei sind: Welche Rolle spielt Kultur im Kontext nationaler Identität? Welche Auffassung von Kultur und welche Art der Modernisierung setzt sich durch?

Der inhaltliche Schwerpunkt der Ausstellung Made in Germany – Politik mit Dingen. Der Deutsche Werkbund 1914 liegt auf Erscheinungen der Warenkultur – Werbe- und Markenstrategien wie sie sich in Produktverpackungen oder Schaufenstergestaltungen niederschlagen. Insbesondere anhand von Verpackungen und Reklame wird der Einfluss des Ersten Weltkriegs auf die Gestaltung deutscher Waren veranschaulicht. Darüber hinaus knüpfen Installationen z.B. mit dem Modell der Ausstellungsanlage oder dem Glashaus von Bruno Taut an die historische Ausstellung des Deutschen Werkbunds von 1914 an.

Ort:
Werkbundarchiv – Museum der Dinge
Oranienstraße 25
10999 Berlin

Zeit:
25. September 2014 – 2. Februar 2015
Öffnungszeiten: Do – Mo, 12 – 19 Uhr
Eröffnung: 24. September 2014, 19.00 Uhr, Eintritt frei