Sitzen ist Kunst

sitzen ist kunst

Die Ausstellung Sitzen ist Kunst im Berliner Kunstgewerbemuseum zeigt noch bis zum 11. Juni 2006 Stühle von Architekten und Designern.

In der Ausstellung werden Sitzmöbel – Stühle, Sessel, Bänke und Hocker – vor allem aus dem 20. Jahrhundert vorgestellt. Dabei werden in chronologischer Folge zentrale Entwicklungen und Entwürfe präsentiert und die unterschiedlichsten Aspekte betont. Besonders anschaulich sind neben der stilistischen Entwicklung das Aufkommen neuer Materialien und Produktionsweisen. Die faszinierende Geschichte der Stühle speist sich aus der immer wieder neu gestellten Aufgabe, für eine zutiefst menschliche Körperhaltung – das Sitzen – eine dem Stand der Gesellschaft gemäße Umsetzung zu finden.

Bereits 1931 klagte Frank Lloyd Wright darüber, daß er sein ganzes Leben lang unter den blauen Flecken gelitten habe, die er sich beim Sitzen auf seinen eigenen Möbeln zuzog. Trotz solcher mitunter unbequemen Erfahrungen kann kaum ein Architekt der Versuchung widerstehen, seinen eigenen Stuhl zu entwerfen. Jeder Stuhlentwurf bewegt sich damit im Spannungsverhältnis zwischen dem nahezu unveränderlichen funktionellen Anspruch, den der menschliche Körper mit seinen ihm eigenen Maßen und Sitzpositionen prägt, und einem sehr veränderlichen Umfeld, das einer Fülle von Einflüssen unterliegt. Dazu gehören der aktuelle Lebensstil im Wohnen und Arbeiten, die Produktionsbedingungen sowie die damit einhergehenden Materialien und Techniken und nicht zuletzt das Verhältnis von Avantgarde und Tradition.

Die Auswahl umfaßt 60 überwiegend von Architekten entworfene Stühle, darunter Beispiele von Edward William Godwin, Bruno Paul, Henry van de Velde, Ludwig Mies van der Rohe, Eckart Muthesius, Egon Eiermann, Gaetano Pesce und Philippe Starck. Die Ausstellung vertieft die umfangreiche Präsentation von Sitzmöbeln in der Design-Sammlung des Kunstgewerbemuseums und zeigt Highlights wie den auf dem Foto abgebildeten Esszimmerstuhl von Edward William Godwin (um 1867-1885; Ausführung: vermutlich William Watt, London; Nadelholz, ebonisiert (schwarz lackiert) Rohrgeflecht) und den SE 42 Biegenholzstuhl von Egon Eiermann (Ausführung: Wilde & Spieth, Eßlingen; Buchen-, Schicht- und Formsperrholz, Sitz und Lehne mit Nussbaumfurnier) Fotos: Saturia Linke

Die Ausstellung bietet die Gelegenheit unter den sonst magazinierten Schätzen der Sammlung Neues zu entdecken.

Ort: Kunstgewerbemuseum, Kulturforum Potsdamer Platz, Berlin-Tiergarten, Eingang: Matthäikirchplatz, Tel. 030-266-2901, Fax 030-2662947

Öffnungszeiten: Mo geschlossen, Di – Fr 10-18 Uhr, Sa/So 11 – 18 Uhr