Sven Temper: Möbel als Modell

möbeldesign ausstellung berlin galerie 2011

Hans-Peter Jochum zeigt vom 26. August bis 8. Oktober 2011 die Ausstellung “Sven Temper – Möbel als Modell”.

Sven Temper gestaltet Möbel mit der Haltung eines Künstlers. Die Begrifflichkeiten der Freien Kunst und Angewandten Kunst bilden dazu die Grundlage. Für Sven Temper ist die Tradition der Künste ebenso ein Material wie Holz. Seine frühen Arbeiten mit Bezügen zu Künstlern wie Richard Artschwager oder Donald Judd entwickelten sich eher zu funktionalen Möbel-Objekten. So lassen sich die Möbel in ihrer Gestalt nicht mehr klar zuordnen; sind es Gebrauchsgegenstände, Skulpturen oder auch etwas anderes? Der Prozess der Herstellung ist ebenso wie Zitate unterschiedlichster Kunstismen lesbar, dabei haben die Möbel eine eigene Formensprache. Bei seinen Arbeiten geht es um die Anwendbarkeit von Kunst in einem ganz praktischen Sinn. Der Benutzer der Möbel-Objekte ist in dieses Konzept mit einbezogen, indem er zum Handelnden und somit zum Gestalter seiner Gestalt werden kann.

Die Strukturierung des Tagesablaufes ist eng mit dem Möbel verbunden und somit auch Erfahrungsgrundlage der eigenen sozialen Tätigkeit. Dabei geht es um die Ästhetik des Gebrauchs: Gebrauch (=Anwendung, Benutzung, Verwendung) als Vorgang, etwas zu einem bestimmten Zweck (als Werkzeug) zu benutzen; und um “jene Vorgänge, die zwischen Menschen und Gegenständen Beziehungen stiften, und um jene dadurch sich ergebende Systematik der menschlichen Verhaltensweisen und Verhältnisse”. (Jean Baudrillard, Das System der Dinge, 1968)

Anlässlich des Philipp Otto Runge Gedenkjahres zeigte das Kunsthaus Hamburg 2011 die Ausstellung “Runge Heute, Konstruierte Empfindung – beobachtbare Zeit”. Für diese Ausstellung hat Sven Temper, ausgehend von Runges Konstruktionszeichnungen der “Zeiten”, Möbel entworfen. Formal sind die Entwürfe der Möbel im direkten Bezug zu den Konstruktionszeichnungen entstanden. Maß gebend waren Aufbau, Rhythmus und Bewegung der Konstruktionszeichnungen. Jedes Möbel entspricht spezifischen Handlungen einer Tageszeit, zusammengenommen ergeben diese Möbel eine Grundausstattung für ein Zimmer. Damit wird Zeit (ein Tag, ein Jahr, ein Leben) nicht nur wie bei Runges Tageszeiten symbolisch vorstellbar (begriffliche Zeit), sondern vom Benutzer auch erlebbar und gestaltbar (wirkliche Zeit). Auf diese Weise werden alltägliche Tätigkeiten ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt, die für gewöhnlich jeden Tag verrichtet werden.

Ort:
Hans- Peter Jochum
Knesebeckstrasse 54
Ecke Lietzenburger
10719 Berlin

Zeit:
26.08. – 8.10.2011
Eröffnung: 26.08.2011, 18 – 21 Uhr