Von Arts & Crafts zum Bauhaus

kunstgewerbemuseum berlin bauhaus 2019 ausstellung

Das Bröhan Museum zeigt in seiner Ausstellung Von Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst und Design – eine neue Einheit! die Vorgeschichte des Bauhauses.

Um das Bauhaus ranken sich viele Märchen und Mythen. Begriffe wie „Bauhausstil“ oder „Die Bauhausidee“ sind Allgemeinplätze geworden. Das Bauhaus selbst wurde zum Mythos, zur Ikone der Moderne. Fälschlicherweise wird es sowohl zum Höhepunkt der Moderne gemacht als auch als Ausgangspunkt der Moderne missverstanden. Die aktuelle Sonderasstellung will mit vielen dieser Mythen aufräumen und im Rahmen des Jubiläumsprogramms „100 jahre bauhaus“ einen Beitrag zu einer designgeschichtlichen Einordnung des Bauhauses leisten.

Wie frei darf die Form sein? Wie viel Rücksicht muss sie auf die Funktion nehmen? Ist Design Kunst? Und sollten Gestalter eher mit dem Handwerk oder der Industrie zusammenarbeiten? Braucht die Moderne einen Stil? Diese Fragen, die man heute sofort mit dem Bauhaus in Verbindung bringt, werden schon 50 Jahre vorher in der englischen Arts and Crafts-Bewegung entwickelt. Die Ideen und Konzepte des Bauhauses und auch seine gestalterische Sprache sind keine Geniestreiche ohne Vorläufer. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs sind sie eine logische Fortsetzung der Entwicklungen, die von der Arts and Crafts-Bewegung angestoßen wurden. Mit englischen Designern wie Dresser, Godwin und Morris entsteht eine neue Gestaltung, die in ihren Entwürfen und Theorien das Abhängigkeitsverhältnis von Kunst, Handwerk, Gestaltung und Industrie diskutiert und den Weg zum modernen Design ebnet. Das Bauhaus ist bei seiner Gründung 1919 und die ersten Jahre in Weimar kein Meilenstein der Designgeschichte, sondern der vorläufige Zwischenschritt dieser für das Design in Europa prägenden Diskussion.

Zum 100-jährigen Gründungsjubiläum des Bauhauses thematisiert die Ausstellung „Von Arts and Crafts zum Bauhaus. Kunst und Design – eine neue Einheit!“ im Bröhan-Museum die Vorgeschichte der berühmten Schule. Sie zeigt die entscheidenden Schritte der Designentwicklung von Arts and Crafts in England über die Glasgow School, den Wiener Jugendstil, den Deutschen Werkbund, die holländische Gruppe De Stijl bis zum Weimarer und Dessauer Bauhaus. Anhand von rund 300 Exponaten – Möbel, Grafikdesign, Metallkunst, Keramiken und Gemälde – aus einem halben Jahrhundert Kunst- und Designgeschichte wird dieser europäische Diskurs über das Design erläutert. Zu den Highlights zählen Designklassiker von William Morris, Charles R. Mackintosh, Josef Hoffmann, Adolf Loos und Marcel Breuer, aber auch weniger bekannte Entwürfe. Die Ausstellung zeigt, wie das Bauhaus von den verschiedenen Entwicklungen beeinflusst wurde und wie schwer es sich zunächst tat, aus der Fülle dieser Positionen eine eigenständige Formensprache zu entwickeln.

Zeit:
24. Januar bis 5. Mai 2019
Eröffnung: 23. Januar 2019, 19 Uhr

Ort:
Bröhan-Museum
Schlossstraße 1a
14059 Berlin

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Wienand Verlag. Die anschließenden Entwicklungen am Bauhaus lassen sich in der aktualisierten Jubiläumsausgabe des im TASCHEN Verlags erschienenen und vom Bauhaus Archiv Berlin herausgegebenen Buches bauhaus von Magdalena Droste sehr gut nachvollziehen.

100 jahre bauhaus taschen verlag

Foto ganz oben:
Gerrit Thomas Rietveld, SPIELZEUGSCHUBKARRE um 1920 – Holz, farbig gefasst
Badisches Landesmuseum Karlsruhe, © VG Bild-Kunst, Bonn 2018
Foto: Thomas Goldschmidt