Werbegrafiken von Herbert Bayer

reklame ausstellung berlin

Die Sonderausstellungt “mein reklame-fegefeuer”. herbert bayer. werbegrafik 1928-1938 im Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung zeigt noch bis zum 24. Februar 2014 das gebrauchsgrafische Schaffen des Bauhaus-Lehrers nach seinem Weggang vom Bauhaus bis hin zu seiner Emigration in die USA.

Die Ausstellung wirft einen differenzierten Blick auf die werbegrafischen Arbeiten des ehemaligen Bauhaus-Lehrers Herbert Bayer (1900-1985) in der Weimarer Republik und dem nationalsozialistischen Deutschland nach seinem Weggang vom Bauhaus. Mit seinen Arbeiten für die Firma Dorland war Bayer einer der erfolgreichsten und bestverdienenden Grafiker dieser Zeit. Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Patrick Rössler von der Universität Erfurt anhand der umfangreichen Beständen aus dem Vermächtnis Herbert Bayers im Bauhaus-Archiv.

„Herbert Bayer ist vor allem durch seine am Bauhaus entstandenen werbe- und typografischen Arbeiten Vielen ein Begriff. Die Ausstellung beleuchtet nun ausführlich einen wenig beachteten Aspekt seines Schaffens. Sie zeigt damit die Gestaltungsfreiräume in der angewandten Kunst im Nationalsozialismus, aber auch deren Instrumentalisierung innerhalb der nationalsozialistischen Propaganda“, erläutert Dr. Annemarie Jaeggi, Direktorin des Bauhaus-Archivs.

Nachdem Bayer das Bauhaus verließ, führte er seine dort entwickelten Prinzipien einer modernen Werbegrafik in Berlin konsequent weiter. In der für ihn typischen Bild‐ und Formensprache mit ihrer charakteristischen Verbindung von Fotografie, Collage und Airbrush‐Illustrationen entwarf er von 1928 bis zu seiner Auswanderung in die USA 1938 hunderte Plakate, Buch‐ und Zeitschriftentitel, Werbeanzeigen und ‐broschüren. Zu seinen Auftraggebern zählten die Konsumgüterindustrie, Verlage sowie staatliche und staatsnahe Einrichtungen. Seine innovativen Gestaltungsideen stellte er ab 1933 auch in den Dienst der NS‐Machthaber. Nach seiner Emigration war Bayer erfolgreich als Art Director in den USA tätig und durch seine Arbeiten für die Bauhaus‐Ausstellungen 1938 im Museum of Modern Art, New York, und 1968 in Stuttgart eine der prägenden Figuren der Bauhaus‐Rezeption.

In der Ausstellung sind 75 Jahre nach Bayers Emigration rund 200 Werke zu sehen, die in ihrer Gesamtheit erstmals einen umfassenden Einblick in Bayers werbegrafische Tätigkeit in Deutschland nach 1928 geben: Aus seinem Haupttätigkeitsfeld der Wirtschaftswerbung sind zahlreiche Anzeigen und Plakate ausgestellt, die er als freier künstlerischer Leiter der Werbeagentur Dorland u.a. für Möbel‐, Kleidungs‐ oder Kosmetikhersteller entwarf. Ebenso werden verschiedene Zeitschriften‐ und Buchumschläge präsentiert, darunter mehrere Titelseiten der Zeitschrift “die neue linie” (1929‐1938). Bayers berühmtes Plakat “section allemande” (1930) für die Werkbundausstellung in Paris ist ebenso zu sehen wie der einzig erhaltene Plakatentwurf Bayers zum Pergamon‐Altar (1931) aus dem Nachlass Herbert Bayers im Denver Art Museum, der nach aufwendiger Restaurierung erstmals in Deutschland gezeigt wird. Die von Bayer für die drei NS‐Großausstellungen “Deutsches Volk, deutsche Arbeit” (1934), “Das Wunder des Lebens” (1935) und “Deutschland” (1936) gestalteten Drucksachen sind ebenfalls Teil der Ausstellung sowie seine für die NS‐Organisation “Kraft‐durch‐Freude” gestalteten Kleinplakate und Publikationen (1934/1938) und sein Cover für eine Broschüre zur Hitler‐Jugend (1936). Bisher unveröffentlichte private Filmaufnahmen von Herbert Bayer mit Tochter Julia Alexandra (1933) sowie der DokumentarfilmHerbert Bayer – the man and his work (1974) ergänzen die Grafikschau.

Ort:
Bauhaus Archiv / Museum für Gestaltung
Klingelhöferstraße 14
10785 Berlin

Öffnungszeiten:
täglich außer Di, 10—17 Uhr
Sonderöffnungszeiten zwischen Weihnachten und Neujahr

Bild:
Künstler: Bayer, Herbert
Titel: Reklame für Herrenmode der Marke “Sporting Stepper”
Datierung: 1934
Material/Technik: Vierfarbendruck

Bildnachweis:
Bauhaus‐Archiv Berlin
Copyright: VG Bild‐Kunst, Bonn 2013